Was Ostern uns heute wirklich sagen will.

Auferstehung klingt nach Kirche. Nach Pflicht. Nach einer Geschichte, die man glauben kann oder nicht. Dabei ist sie eines der tiefsten Symbole für das, was in jedem Menschen möglich ist. Ganz ohne Dogma.

Mein Wort zum Sonntag“ am Ostersonntag.

Ostern ist unbequem. Nicht wegen der Theologie.
Sondern wegen der Zumutung, die dahintersteckt.

Auferstehung bedeutet nicht: Alles wird wieder gut.
Es bedeutet: Das Alte muss wirklich sterben, damit etwas Neues entstehen kann.
Keine Abkürzung. Kein Überspringen des Karfreitags. Erst durch den Tod. Dann das Neue.

Das ist unbequem. Weil wir das Neue wollen, ohne das Alte zu verabschieden und es loszulassen.

Auferstehung ohne Karfreitag gibt es nicht. Im Leben so wenig wie in der Geschichte.

Bei Karfreitag denke ich nicht an den körperlichen Tod. Ich denke an das, was in uns sterben muss, damit wir wachsen können.
Eine Rolle, die wir zu lange gespielt haben.
Ein Selbstbild, das nicht mehr stimmt.
Eine Art zu leben, die uns einmal gedient hat und jetzt eng geworden ist.

Das Bild des Jura-Studiums, das ich mal hatte.
Die Überzeugung, dass Stärke bedeutet, keine Schwäche zu zeigen.
Die Version von uns, die wir für andere aufrechterhalten. Bis wir eines Tages merken: Das bin nicht ich.

Das sind die kleinen Karfreitage des Lebens. Oft leise. Oft ohne Drama. Aber real.

Der Moment zwischen Tod und Auferstehung.
Anselm Grün beschreibt ihn so:
Der Ostermorgen ist nicht der Moment des Triumphes. Er ist der Moment der Stille. Des leeren Grabes. Der Frage: Was kommt jetzt?

Dieser Moment ist schwer auszuhalten:
Nichts mehr von dem, was war. Noch nichts von dem, was kommt. Nur Offenheit. Und Unsicherheit. Und das leise Ahnen, dass etwas Neues möglich ist. Wenn man es zulässt.

Genau diesen Moment kennen viele Menschen, die zu mir kommen.

Sie stehen vor dem leeren Grab.
Das Alte passt nicht mehr.
Das Neue hat noch keine Form.
Und sie wissen nicht, ob sie dem trauen sollen, was da kommen will.

Der Wendepunkt ist nicht der Moment, in dem alles klar wird.
Er ist der Moment, in dem du aufhörst, am Alten festzuhalten.

Auferstehung heutzutage bedeutet nicht, dass alles leicht wird.
Es bedeutet, dass Neues möglich ist.

Es bedeutet:
Du musst nicht die Version von dir bleiben, die du bisher warst.
Die Erschöpfung, die du spürst, ist kein Defekt. Sie ist ein Signal. Das Alte will sich auflösen.

Es bedeutet:
Wandel ist nicht Verlust. Wandel ist der Prozess, durch den du zu dir selbst wirst.

Dazu brauchst du keine Kirche. Dazu brauchst du keine Religion. Es geht mit. Es geht auch ohne.
Aber es braucht unbedingt die Bereitschaft, ehrlich hinzuschauen und loszulassen, was nicht mehr trägt.
Und was das mit mir zu tun hat.

Ich begleite Menschen durch genau diese Momente.
Nicht weil ich Antworten habe. Sondern weil ich weiß, wie es sich anfühlt, zwischen dem Alten und dem Neuen zu stehen.

Ich habe mein eigenes Jura-Studium hinter mir gelassen. Meine eigene Rolle als Lehrerin. Vieles mehr. Meine eigenen Karfreitage.

All das hat mir gezeigt:
Es braucht jemanden, der dabei nicht wegschaut.
Der den Raum hält, wenn es unbequem wird.
Der nicht drängt und trotzdem klar bleibt.

Ostern erinnert uns jedes Jahr daran:
Auferstehung ist möglich. Nicht einmal. Immer wieder. In jedem Leben.
In jedem Moment, in dem man bereit ist, loszulassen.

Wenn du spürst, dass in dir gerade etwas sterben will, damit etwas Neues entstehen kann.
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